Beispielaufgabe Störungen im Kindes- und Jugendalter

Mehrfachauswahl


Welche der folgenden Aussagen treffen für eine Lese- und Rechtschreibstörung (nach ICD-10) zu?

Wählen Sie zwei Antworten!

A. Soziale und emotionale Anpassung stehen mit einer Lese- und Rechtschreibstörung in keinem Zusammenhang

B. Die Leseleistung muss unter dem Niveau liegen, das aufgrund des Alters, der allgemeinen Intelligenz und Beschulung zu erwarten wäre

C. Eine umschriebene Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache geht der Lese- und Rechtschreibstörung häufig voraus

D. Ein Defizit des Leseverständnisses ist typischerweise nicht vorhanden

E. Die Störung tritt im Rahmen einer allgemeinen Intelligenzminderung auf

Antwort

Aussagen B und C sind richtig.

A. Soziale und emotionale Anpassung sind häufige Begleiterscheinungen oder Folgen einer Lese- und Rechtschreibstörung. Durch die Problematik ist das Selbstwertgefühl häufig beeinträchtigt, was bei Kindern im frühen Schulalter zu emotionalen Störungen, bei älteren nicht selten zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann.

B. Für die Diagnose einer Lese- und Rechtschreibstörung (Dyslexie, Legasthenie) sollte eine deutliche Abweichung von den Altersgenossen vorliegen.

C. Eine Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache führt häufig zu einer Lese- und Rechtschreibstörung, da ursächlich entwicklungsbedingte Teilleistungsstörungen des Gehirns zugrunde liegen, die als Anlage mitgebracht werden.   

D. Das Leseverständnis ist immer beeinträchtigt, die Rechtschreibstörung meist eine Folge.

E. Bei der Lese- und Rechtschreibstörung handelt es sich um eine separate Diagnose. Derartige Beeinträchtigungen zeigen sich natürlich auch bei Intelligenzminderungen. Sollte sie Ursache der Konsultation sein, ist  sie separat zu verschlüsseln. Für die Diagnose einer Legasthenie muss jedoch eine Intelligenzminderung als alleinige Ursache ausgeschlossen werden. Treten die Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten aufgrund mangelnder Beschulung, einer psychischen oder neurologischen Erkrankung oder Sinnesbehinderung auf, spricht man in der Praxis eher von einer Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) statt einer Störung.

< Zur Themenübersicht