Beispielaufgabe Persönlichkeitsstörungen

Mehrfachauswahl

Welche der folgenden Aussagen zu Persönlichkeitsstörungen treffen zu? 

Wählen Sie zwei Antworten!

A) Andauernde und umfassende Gefühle von Anspannung und Besorgtheit sind Kennzeichen der ängstlichen Persönlichkeitsstörung 

B) Dramatisierung bezüglich der eigenen Person und theatralisches Verhalten ist charakteristisch für die paranoide Persönlichkeitsstörung 

C) Übermäßiger Zweifel und Vorsicht kennzeichnet die zwanghafte Persönlichkeitsstörung

D) Übermäßige Beschäftigung damit, äußerlich attraktiv zu erscheinen, ist typisch für die schizoide Persönlichkeitsstörung 

E) Ein Beginn im mittleren bis höheren Erwachsenenalter ist typisch für die narzisstische Persönlichkeitsstörung  

Antwort

Aussagen A und C sind richtig.

A. Andauernde Gefühle von Anspannung und Besorgtheit, die Überzeugung hilflos, unattraktiv oder minderwertig zu sein sowie eine ausgeprägte Sorge, in sozialen Situationen abgelehnt oder kritisiert zu werden, beschreibt die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung. In letzterem Punkt überschneiden sich die Symptome mit der Sozialphobie, die deshalb im DSM nicht unterschieden wird. Bei der Persönlichkeitsstörung nach ICD bestehen diese Verhaltensmuster jedoch dauerhaft in allen Lebenssituationen, bei der Phobie ist das Verhalten meist auf eine bestimmte Situation beschränkt. Bei der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung besteht von allen PS am meisten Leidensdruck aufgrund des eingeschränkten Lebensstils. Sie wird deshalb am wenigsten ich-synton (als zur Person gehörend) empfunden.

B. Dramatisierung bezüglich der eigenen Person und theatralisches Verhalten sind Merkmale der histrionischen Persönlichkeitsstörung (histrio lat.  = der Schauspieler). Typisch für die paranoide Persönlichkeitsstörung ist ein permanentes Misstrauen gegenüber anderen, streitsüchtiges Verhalten und eine übertriebene Empfindlichkeit bei Rückschlägen und Verletzungen. 

C. Übermäßiger Zweifel und Vorsicht sind Kennzeichen der zwanghaften (anankastischen) Persönlichkeitsstörung. Die Person neigt auch zu einer übertriebenen Skrupelhaftigkeit sowie Beschäftigung mit Ordnung und Regeln. Dies verschafft der Person Sicherheit und Selbstwert. Sie reagiert deshalb auch empfindlich, wenn andere sich ihren Regeln nicht unterordnen. Aufgrund der permanenten Absicherung fällt es ihr schwer, Aufgaben zu Ende zu führen. Es mangelt ihr auch oft an Lebensfreude und Spontanität. 

D. Eine übermäßige Beschäftigung damit, äußerlich attraktiv zu erscheinen ist sowohl typisch für die ängstlich-vermeidende als auch für die Borderline und die histrionische Persönlichkeitsstörung. Die schizoide Persönlichkeit hingegen zeigt sich einzelgängerisch und distanziert. Es mangelt ihr an Empathie und der Fähigkeit, Freude sowie Ärger zu empfinden. Die Affektivität ist verflacht. 

E. Eine Persönlichkeitsstörung wird frühkindlich geprägt und im Laufe des Heranwachsens entwickelt und beginnt nicht erst im mittleren bis höheren Lebensalter. Dies trifft für alle Persönlichkeitsstörungen zu. Der Narzisst ist hier keine Ausnahme – auch wenn er es gerne wäre;) 

< Zur Themenübersicht